prolog
Und | Und ist kein Wort, mit dem man einen Satz beginnt: Das war Schreibregel Nr. 1 meiner Lehrerin in der ersten Klasse. Regel Nr. 1 war nur Regel Nr. 2 übergeordnet: Kein Satz endet jemals mit und. Zweifellos hatte Mrs. B. eine Vorliebe für Paradoxien. Dementsprechend war es nur logisch, dass ihre Offensive gegen die am häufigsten gebrauchte Konjunktion der englischen (und deutschen) Sprache nicht mit dem Anfang anfing und dem Ende endete. Langsam, aber sicher ersetzte sie die kritzeligen und unserer mäandernden Sätze durch andere Verbindungswörter – wenn, also, aber, oder und weil –, wodurch sie nicht nur unser Schreiben, sondern folglich auch unser Denken um die Dimensionen der Kausalität, des Kontrasts und der Kontingenz erweiterte.
Bewusstsein | Trotz all ihrer berechtigten Bemühungen, und auch meiner eigenen, ist die Ur-Konjunktion der beharrliche Dreh- und Angelpunkt meines Weltverständnisses geblieben. Der amerikanische Psychologe William James, der in seinen Principles of Psychology (1890) erstmals jenen Bewusstseinsstrom benannte, der in unserem Geist plätschert und sprudelt, hätte das vielleicht durch das Wesen des Bewusstseins selbst erklärt: „Niemand hatte jemals eine einfache Empfindung für sich allein“, schreibt er mit Blick auf das Missverständnis seiner Kollegen, dass Eindrücke, Gedanken und Gefühle an und für sich existieren und untersucht werden können. „Von Geburt an besteht das Bewusstsein aus einer wimmelnden Vielfalt von Objekten und Beziehungen, und das, was wir eine einfache Empfindung nennen, ist das Ergebnis einer differenzierten Aufmerksamkeit höchsten Maßes“ (224). Jene von uns, die jemals versucht haben, ihren Geist über einen längeren Zeitraum hinweg auf ein einziges Objekt zu richten, wissen das nur allzu gut.
Leben | Mit dem Leben, so wage ich zu behaupten, verhält es sich nicht viel anders: Von dem Moment, in dem ich morgens die Augen aufschlage, präsentiert es sich als eine dynamische Fülle von Phänomenen mit ganz unterschiedlichen Verflechtungen: Manche sind von Natur aus miteinander verbunden (Sonnenaufgang und Vogelgesang), manche durch Veranlagung und/oder Abhängigkeit (Aufwachen und Kaffee), manche ganz willkürlich (Yoga und Max Richter und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte). Jedes dieser Beispiele ließe sich bis ins Unendliche ausweiten, würde sich diese meine elementare Wahrnehmung der Welt in das unergründliche Geflecht des Lebens ausweiten. „Alles verbindet sich nur durch ‚und‘ und ‚und‘“, schrieb die amerikanische Dichterin Elizabeth Bishop 1948 in ihrem Gedicht „Over 2,000 Illustrations and a Complete Concordance“ – wohl nicht ohne eine gewisse Resignation; ein Sentiment, das Mrs. B., von einem meiner frühen Schreibversuche aufblickend, sicherlich geteilt hätte.
Anfang & Ende | Wäre das Wort Polysyndeton Teil meines Grundschulwortschatzes gewesen, hätte ich vielleicht argumentieren können, dass es für die „vielen Verknüpfungen“ von und keinen geringeren Archetyp gibt als die biblische Schöpfungsgeschichte, hier in der Lutherischen Übersetzung: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“ (Gen 1,3–5). So viel zu und und Anfängen. So viel zu und und Enden, könnte man mit Hinblick auf Gottes polysyndetische Zerstörung der Welt durch die Sintflut hinzufügen (Gen 7,22–24). So viel zu und und der Ordnung der Dinge, die keine geringere ist als die göttliche Ordnung der Dinge, deren beschwörende, ekstatische, Ehrfurcht erzeugende Wirkung in der rhythmischen Wiederholung des einfachen Worts und liegt.
Nur Verbindung | Und Yoga? Auch Yoga beginnt gewissermaßen mit einem und: „atha yogānuśāsanam: Wohlan!, weitere Yoga-Unterweisungen“ (YS 1.1). Während die meisten gängigen Übersetzungen des sūtra den Partikel anu-, der „nach“ oder „neben“ bedeutet, schlicht übergehen, hebt James Mallinson und Mark Singletons Übersetzung von anu- als „further“ deutlich hervor, dass Patañjalis Yoga-Sūtra, auf das 4. Jahrhundert n. Chr. datiert, nicht ab ovo aureo beginnt – denn wo wäre dann seine güldene Henne? Vielmehr ist es ein umfassendes Kompendium früherer Einflüsse und Lehren zum Yoga, wie sie zum Beispiel im Mahābhārata und in den Upaniṣaden, in jainistischen und in buddhistischen Quellen, sowie und vor allem in der Sāṃkhya-Philosophie zu finden sind. Lässt sich allein mit der Aneinanderreihung von Traditionen bereits das und des Yoga begründen? Nicht ganz. Mehr als ein bloßes Addendum von Philosophien und Praktiken, die die Tradition(en) des Yoga geprägt und verändert haben, erzeugt und eine Verbindung zwischen ihnen – wenn auch eine, die diese Verbindung, im Gegensatz zu Konjunktionen wie wann, wo oder daher, nicht unmittelbar zeitlich, räumlich oder begründend definiert. „‚Und‘ tut nichts von alldem“, schreibt die amerikanische Schriftstellerin Kathryn Schulz in ihren Memoiren Lost & Found (2022), „es ist eine Verbindung, die aus nichts weiterem als Verbindung besteht“ (191). Und genau diese unkuratierte Assoziation zweier oder mehrerer Dinge, die und in Beziehung zueinander bringt, ist das Potenzial – und der potenzielle Fallstrick – vom und im Yoga: „Es ist unerheblich, ob es überhaupt einen inneren Zusammenhang gibt“, so Schulz weiter, „denn der Effekt des verbindenden ‚und‘ besteht darin, einen solchen zu schaffen“ (193).
Verbindungen im Yoga | Solche kreativen Verbindungen sind in der Geschichte des Yoga reichlich zu finden. Patañjali verbindet – vergleichsweise konventionell, wenn auch stillschweigend – Ideen aus anderen śramaṇa-Traditionen mit und zu seiner eigenen Lehre der Entsagung. Das haṭha-yoga verbindet – eher überraschend – asketische Praktiken, zum Zweck der körperlichen Läuterung und Überwindung erdacht, mit dem tantrischen Konzept des Körpers als Instrument der Befreiung und Wohnstätte des Göttlichen. Recht unvorhersehbar, jedenfalls in einer vorkolonialen Welt, sind die Verbindungen, die zwischen skandinavischer Gymnastik und harmonistischen Körper-Geist-Praktiken und haṭha-yoga, zwischen westlichem Okkultismus und (Neo-)Vedanta und dem Christentum und – ja, Leser: Patañjali im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hergestellt werden. Völlig rätselhaft, jedenfalls für mich: Der Verbindung zwischen Ziegen und Yoga unserer Tage. Verbindungen und Verbindungen und wieder Verbindungen – vom fortwährenden Anfang des Yoga über seine vielfältige Mitte bis hin zu seinem offenen Ende.
Ca | All diese Verbindungen könnten zur Kurzschlussfolgerung führen, dass Yoga – abgeleitet von der Wortwurzel √yuj, die „verkoppeln“, „verbinden“ und „konzentrieren“ bedeutet – per definitionem eine Idee und ein Tun ist, das zwei irrig getrennte Einheiten zu einem harmonischen, unberührten Ganzen vereint, oder sie wenigstens miteinander verbindet. Ja und nein. Während diese Annahme für haṭha-yoga-Praktiken, die sich im Mittelalter herauszubilden beginnen, zutreffen mag, erklärt der klassische Yoga des Patañjali mit unmissverständlicher Klarheit, dass Yoga das ganze Gegenteil von Vereinigung ist: Es ist kaivalya, vollkommene Isolation. Bevor wir dem nachgehen, lohnt es sich einen Blick auf eine Konjunktion zu werfen, die, im Gegensatz zu ihrem englischen und deutschen Pendant, ihre unterschiedlichen, sogar widersprüchlichen Bedeutungsfacetten in einer einzigen Silbe zu vereinen vermag: das Sanskrit-Wort च oder ca, „und“. Laut Sir Monier-Williams’ Sanskrit-Englisch Dictionary (1899) kann ca „und, sowohl, auch“ sowie „aber, andererseits, dennoch“ heißen; es kann „eva-, sogar, in der Tat, gewiss“ meinen und zuweilen auch „ced-, wenn“; es kann für „vā-, entweder, oder“ stehen, sowie für dessen Verneinung „weder, noch“– kurz gesagt: ca umfasst Konjunktion und Disjunktion, Emphase und Bedingung, Einbeziehung und Ausschluss. Wäre damit alles gesagt? Natürlich nicht! Wie der britische Lexikograph anmerkt, „kann ca– bei Lexikographen einen Verweis auf andere Wörter implizieren, die nicht ausdrücklich genannt werden.“
Patañjali: Trennung | Für die Zwecke dieses kurzen Essays sind die obigen Definitionen mehr als ausreichend. Sie erklären den disjunktiven Impuls von Patañjalis Lehre, deren einziges Ziel darin besteht, den Körper von der Körperlichkeit, den Atem vom Atmen und den Geist vom Denken zu trennen, um schließlich prakṛti, die phänomenale Welt, durch viveka-khyāti, unterscheidende Erkenntnis, von puruṣa, dem reinen und vollkommenen Bewusstsein, zu trennen. Es ließe sich an dieser Stelle berechtigterweise fragen: warum? Um nichts geringeres als Befreiung von saṃsāra zu erlangen, dem sich selbstverstärkenden Kreislauf von karma (Handlung) und kāma (Verlangen), der uns im Circulus vitiosus der Wiedergeburten gefangen hält. Der logische Ausweg ist, nun ja, der Exitus: sich vom Verlangen zu lösen, sich von der Handlung zu lösen, sich von der Welt und letztendlich von sich selbst zu lösen. Und damit kein letzter Rest Zweifel verbleibt, erklärt der legendäre Autor: „Durch die Beseitigung der Unwissenheit wird die Verbindung [saṁyoga] beseitigt. Dies ist die absolute Freiheit [kaivalya] des Sehers [i.e. puruṣa]“ (YS 2.25). Im Einklang mit der dualistischen Philosophie des Sāṃkhya ist saṁyoga, die Verbindung, Leiden; kaivalya, die Isolation, ist Befreiung. Yoga ist hier Entweder-Oder.
Haṭha-Yoga: Vereinigung | Gleichzeitig – wenn auch, historisch gesehen, fast eintausend Jahre später – betonen Texte über die körperliche Praxis des haṭha-yoga, zum Beispiel die aus dem 14. Jahrhundert stammende Yogabīja, das genaue Gegenteil. Als Antwort auf ihre Frage nach dem Was, Warum und Wie des Yoga erklärt Śiva Devī, dass die Vereinigung von apāna und prāṇa, die Vereinigung von Sonne und Mond, die Vereinigung der individuellen mit der kosmischen Seele „und in gleicher Weise die Vereinigung [saṁyoga!] aller Dualitäten als Yoga bezeichnet wird“ (89–90). Ca und ca und ca. Beeinflusst von den nicht-dualen Philosophien des Tantra und des Advaita-Vedanta, die beide nach dem Niedergang des Sāṃkhya im 10. Jahrhundert an Einfluss gewannen, gliederte das haṭha-yoga den Prozess der integrativen Transformation und Transzendenz, der zum Fluchtpunkt nicht-dualer Weltanschauungen wurde, in seine Praktiken ein. Doch allen Unterschieden zum Trotz blieb eine wesentliche Verbindung bestehen, denn ca – tatsächlich, blieb das ultimative Ziel dasselbe: Die Beherrschung von Körper, Sinnen und Geist zur Überwindung der Prinzipien der materiellen Welt zum Ziel von mokṣa, der Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten in die mundane Existenz.
Haṭha-Yoga: Sowohl-als-auch | Wie verhält es sich dann mit Yoga und Leben? In einer Weltanschauung, deren Fokus letztlich jenseits der Welt lag: nicht wirklich. Auch wenn sich nach und nach die Aussicht auf jīvanmukti in die Marginalien der haṭha-yoga-Texte einschreibt, bleiben diese recht vage, jedenfalls was die Frage betrifft, wie sich eine solche „Befreiung im Leben“ manifestieren könnte. Während sich der in der Haṭhapradīpikā beschriebene erleuchtet-erlöste Yogi durch seine leichenhafte Existenz jenseits von Sinnen und Selbst auszeichnet (4.109), kann er, wie im Dattātreyayogaśāstra beschrieben, „durch die Welten wandern und sich, ausgestattet mit übernatürlichen Kräften, unendlich klein machen und so weiter“ (128), oder, laut der Śivasaṃhitā, „in einem Haus mit Kindern und einer Frau leben“ und sogar – halt dich nur fest, Ashtangi: „Spaß haben“ (5.260). Sofern alle Anhaftungen aufgegeben sind, ist ein befreites Leben, losgelöst von karmischen Verstrickungen, kein Widerspruch mehr. Während die grundlegende Logik der Befreiung also weiterhin eine des Entweder-oder ist, wird sie paradoxerweise zur Grundlage eines Yoga-Zustands, in dem ca zudem Sowohl-als-auch sein kann.
Bhagavad Gītā: Bedingung | Das ist natürlich das ursprüngliche Argument der Bhagavad Gītā, wie es Kṛṣṇa Arjuna kurz vor Beginn jener Schlacht darlegt, die im Mittelpunkt des Mahābhārata-Epos steht. Im Bewusstsein, dass die Logik des Krieges Zerstörung und die Logik des karma Leiden ist, sieht sich Arjuna einem double bind gefangen: Eine Weigerung zu kämpfen wäre eine Weigerung, sein dharma als geborener Krieger zu erfüllen, während ein Mitwirken im Krieg ein Fortwirken im karmischen Kreislauf ist. Mit göttlicher Gewandtheit kehrt Kṛṣṇa Arjunas Entweder-oder-Dilemma in eine Sowohl-als-auch-Lösung um: „Du bist zuständig allein für das Tun, / niemals aber für die Früchte des Handelns. / Dein Motiv soll nie die Frucht des Handelns sein, / hafte aber auch nicht an der Vorstellung vom Nicht-Handeln“ (2.47). Sofern Arjuna karma von kāma trennt, so resonant ihre Verbindung auch sein mag, „[sind die Weisen] befreit von der Fessel der Wiedergeburten, / und gelangen zu einem Zustand, der frei ist von Leid“ (2.51). Über zweitausend Jahre später findet dieses ca, dieser bedingende Aspekt des Yoga,noch immer ein Echo in Rudyard Kiplings treffend betiteltem Gedicht „If—“ (1895).
Modernes Yoga: Verbindung & Verschmelzung | So viel – oder vielmehr: so wenig – zu den Gestern des Yoga, von der dieser kursorische Essay viel mehr außen vor lassen musste als er beachten konnte, ganz zu schweigen von dem, was wir, wie es Sir Monier-Williams zu den stummen Verweisen von ca angemerkt hat, (noch) gar nichts wissen. Wie aber steht es um Yogas Heute und Morgen? Die Geschichte, die sich mit der Kolonialisierung und Globalisierung in der Moderne zu entfalten beginnt, ist eine, in der sich die vielfältigen Yoga-Traditionen Südasiens mit Philosophien und Übungsmethoden aus Europa und Skandinavien und Nordamerika verbindet, mit Calisthenics und harmonistischer Gymnastik und indischer Kampfkunst, mit den Methoden und Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, durch die die einzigartige Wirksamkeit und das Heilungspotenzial des Yoga belegt werden sollte – während zur gleichen Zeit anglophone Okkultisten, Mesmeristen und Pseudomeister der Manifestation versuchten, mit ihren eigenen esoterischen Konzepten und Formeln dasselbe zu tun. Es ist eine Geschichte, in der der swami und sādhu Vivekananda (1863–1902) – der 1893 eher zufällig als geplant auf dem Religionsparlament in Chicago eine Rede hielt und sich so am Schnittpunkt der vielen Ideen wiederfand, die Yoga beeinflussten und vom Yoga beeinflusst wurden –, der die dualistische Philosophie Patañjalis mit der nicht-dualen Philosophie des Advaita-Vedanta mit den mesmeristischen Lehren von einem allem zugrunde liegenden Kraftfeld (als das er prāṇa beschrieb) mit dem christlichen Streben nach einer erfahrungsbezogenen Einsicht in Gottes ewige und grenzenlose Wahrheit verband. Es ist eine Geschichte, die sich auf dem von Vivekananda (u. a.) vorbereiteten Weg nach Westen fortsetzt, dem die Gurus des modernen postural yoga wie B. K. S. Iyengar (1918–2014) und Patthabi Jois (1915–2009) folgten, die ihre äußerst elaborierten Systeme physischer Praxis mit Patañjalis Lehren über die Zügelung aller Bewegung und dem Streben nach reinem Bewusstsein in einem einzigen, prägnanten Satz zu verbinden vermochten: „Ich unterrichte … Ashtanga-Yoga, die ursprüngliche Praxis, wie sie in Patañjalis Yoga-Sūtra überliefert ist“ (Jois). Ca wurde zu einer Verbindung, die zu einer Verschmelzung wurde, bis ca schließlich ganz auf der Strecke blieb.
Ende & Anfang | Dies könnte das Ende unserer Erkundung sein – wäre da nicht die inhärente Kontinuität unserer Ur-Konjunktion, die ihren eindringlichsten Ausdruck im Symbol für und, dem Und-Zeichen, findet: &, das bis vor etwa zweihundert Jahren das letzte Zeichen im lateinischen Alphabet darstellte: X, Y, Z, &. Wenn Aristoteles, der seine Poetik um 335 v. Chr. verfasste, den Grundsatz aufstellt, dass „ein Ganzes ist, was einen Anfang und eine Mitte und ein Ende hat“ (7.1450b), dann ist und jene Silbe, die diese Dreifaltigkeit der Vollendung aufbricht, wie es die unerschöpfliche Fülle unseres Bewusstseins, die multidimensionalen Verbindungen unseres Lebens und die göttliche Komplexität der Welt überdeutlich machen. Und so kommen wir dort an, wo wir angefangen haben – mehr oder weniger. Nicht in Mrs. B.s Englischunterricht, auch wenn ich mich noch immer, Stift-auf-Papier, mit und auseinandersetze. Nicht treibend in den polysyndetischen Strömungen kategorischer Verbindung, sondern bewusst der Nuancen, die ca innerhalb dieser Verbindung umfasst, die wir in und zwischen den Traditionen des Yoga finden. Damit vermeiden wir den Fehlgriff, eine Philosophie oder Praxis (Patañjalis aṣṭāṅga-yoga) mit einer anderen (Jois’ Ashtanga Yoga) zu verschmelzen oder zwei völlig fernstehende Dinge (Ziegen und Yoga) nebeneinanderzustellen; vielmehr bewahren wir den Raum, den und zwischen ihnen schafft.
Der Raum von Und | Und ist der Raum, in dem sich Verbindung und Verknüpfung ereignet, der Raum, in dem Beziehungen entstehen, der Raum, in dem sich Reflexion und Diskussion entfalten. Wie, wenn nicht durch den Raum, den und eröffnet, können wir Zusammenhänge und Unterschiede erkennen, Mehrdeutigkeiten und Ambivalenzen aushalten, unsere Traditionen bewahren und offen sein für Veränderungen? Wo würden wir landen, wenn wir den Raum für Entwicklung und Transformation nicht offenhielten? Ich höre deine Antwort, Leser: kaivalya. Ich überlasse es deinem scharfsinnigen Urteilsvermögen, ob Patañjalis Ort der Befreiung ein Himmel ist, den die Talking Heads als „a place where nothing ever happens“ besangen, oder eine Hölle, die T. S. Eliot angeblich als „einen Ort, an dem sich nichts mit nichts verbindet“ beschrieb. Unmittelbar wichtiger, zumindest für mich, scheint jenes zu sein, was zwischen Himmel und Hölle liegt: das Leben – und das Leben, wie es der amerikanische Schriftsteller Philip Roth in seinem Roman The Counterlife (1986) treffend formulierte: „Life is and“ (309). Das Leben ist der Raum der Verwandlung, den wir bewohnen, der Raum, in dem Verwandlung stattfindet. Das Leben ist Verwandlung und verbindet sich als solches mit Yoga, „denn Yoga ist das Entstehen, / ebenso wie das Vergehen“ (6.11), wie es im Kaṭha-Upaniṣad in der frühesten uns bekannten Beschreibung des Yoga heißt. Yoga ist, wie das Leben, und und als solches ist es Beziehung und als solches ist es Verantwortung – für uns selbst, füreinander und für die mehr-als-nur-menschliche Welt –, während wir alle unentwegt Entstehen und wieder Vergehen.
Bishop, Elizabeth. „Over 2,000 Illustrations and a Complete Concordance.“ North & South – A Cold Spring. Houghton Mifflin Company, 1955.
Bryant, Edwin F. The Yoga Sūtras of Patañjali. North Point Press, 2009.
„Ca, ind.“ Monier-Williams Sanskrit-English Dictionary, 1899, https://sanskritdictionary.com/ca/77625/1. Accessed 22 August 2026.
James, William. Principles of Psychology. Henry Holt and Company, 1890. 2 vols.
Jois, K. Patthabi. „An Interview with K Pattabhi Jois: Practice Makes Perfect.” Interview mit Sandra Anderson. Yoga + Joyful Living Magazine, 1994, https://harmonyslater.com/interview-pattabhi-jois.
Kipling, Rudyard. „If—.“ Rewards and Fairies. Macmillan and Co., 1910.
Mallinson, James, and Mark Singleton. Roots of Yoga. Penguin Books, 2017.
Roth, Philip. The Counterlife. Farrar, Straus and Giroux, 1986.
Schulz, Kathryn. Lost & Found: A Memoir. Random House, 2022.
Talking Heads. „Heaven.“ Fear of Music, Warner, 1979.
Die Bhagavad Gītā. Übersetzt und herausgegeben von Michael von Brück. Verlag der Weltreligionen, 2009.
The Dattātreyayogaśāstra. Übersetzt und herausgegeben von James Mallinson, École Française d’Extrême-Orient, 2024. Haṭha Yoga Series 5.
„The Kaṭha Upaniṣad.“ Upaniṣads. Übersetzt und herausgegeben von Patrick Olivelle. Oxford University Press, 1996, pp. 231–247.
The Śivasaṃhitā. Übersetzt und herausgegeben von James Mallinson, YogaVidya.com, 2017.
Alle Übersetzungen aus dem Englischen stammen von der Verfasserin.
